Berlin – immer wieder eine Reise wert

Gestern war er also wieder, der Tag-X, den jeder Marathonläufer herbeisehnt und ihm mit stetig steigender Spannung entgegenblickt. Man fängt an, ganz genau in den Körper hineinzuhören und entwickelt in den letzten zwei Wochen vor dem Marathon, während derer der Trainingsumfang massiv zurückgeschraubt wird, zuweilen recht hypochondrische Zustände. Für Chrigel war Tag-X dieses Herbstes der Berlin-Marathon, den er zum dritten mal nach 2012 und 2015 in Angriff nahm. Von Verletzungen und Krankheit blieb ckr in seiner (zu) kurzen Vorbereitungsphase auf Berlin seit Juli verschont und auch die eingangs erwähnten Taperingwochen hat er schadlos überstanden, so dass er gestern gesund und motiviert pünktlich um 9:15 Uhr zu seinem ersten Marathonlauf seit Rio 2016 startete. Die herrschenden Temperaturen waren fürs Laufen eigentlich ideal, der Wind schwach, allerdings schien Petrus den später am Sonntag stattfindenden Wahlerfolg der AfD vorauszuahnen und schickte pünktlich zum Start erste Regenschauer über die Strecke.

Im Marathon gilt es, auf den ersten Kilometern ins Rennen zu finden, sich in einer Gruppe mit der richtigen Pace zu platzieren und sich damit kraftsparend möglichst weit ziehen zu lassen. Dieser Einstieg ins Rennen ist Chrigel dieses Mal nicht optimal geglückt. Zuerst war die eine Gruppe zu schnell, die andere zu langsam, so dass er schon früh alleine auf der Suche nach dem richtigen Platz unterwegs war. Christian selber bezeichnete es als Art Weckruf, was ihm etwas bei km 18 wiederfahren ist: ein Konkurrent ist ihm auf den Schuh getreten, worauf sich ckr als Asphaltsurfer versuchte und er sich bäuchlings rutschend auf dem Asphalt fortbewegen wollte. Das war das einzige mal, dass Chrigel froh war über die nassen Verhältnisse, weil dadurch die beim Vorfall entstehende Reibungsenergie geringer und die auftretenden Schürfwunden weniger heftig ausfielen, als dies bei trockener Strasse der Fall gewesen wäre. Der Schuldige des Malheurs zeigte sich sehr fair, half Chrigel beim Aufstehen und führte ihn wieder an die Gruppe heran. Danach war ckr aber wach und der Rest des Renens verlief, wie wir es von ihm gewohnt sind: den Halbmarathon passierte er in 1:09:10 h, danach setzte er zum für ihn typischen Negativsplit an, absoliverte die zweite Hälfte 63 s schneller als die erste und finishte in 2:17:17 h. Chrigel war damit der zweitschnellste Schweizer hinter Adrian Lehmann, der das Rennen in 2:15:12 beendete. Damit stehen Adi und ckr in der Selektionsrangliste für die EM 2018 in Berlin an erster und zweiter Stelle. Selbstverständlich ist damit zu rechnen, dass Tadesse Abraham nach überstandener Verletzungpause und erfolgreichem Comeback am Greifenseelauf die Selektionszeit im Marathon von 2:19:30 ebenfalls deutlich unterbieten wird. Chrigel und Adi können aber der Nominierung für den EM-Maraton vom 12. August 2018 durch Swiss Athletics zuversichlich entgegenschauen.

Seit kurzem tritt Christian als Laufexperte für Albis Reisen, den Spezialisten für Marathon-Reisen unter der Leitung von Markus Roth, in Erscheinung. Deshalb waren Chrigel und sein Team nach dem gestrigen Lauf und einer ersten, kurzen Phase der Erholung im Hotel bei der Reisgruppe von Albis Reisen zum Nachtessen eingeladen, an dem ckr von seinen Erlebnissen am Lauftag berichtete, den erfolgerichen Albis-Finishern zum Lauf gratulierte und diejenigen, die das Rennen aufgeben mussten, zum Weitermachen aufmunterte und viel Erfolg für den nächsten Versuch wünschte.

Vom ckr-Fanclub war auch noch Gold-Member Roger „Rats“ Coray aus Altstätten am Start in Berlin. Dessen unmittelbare Rennvorbereitung verlief in einer Art, welche die meisten anderen Leute schon vor dem ersten Laufschritt zur Aufgabe des Rennens veranlasst hätte. Sein Gepäck fand den Weg vom Flughafen Zürich bis ins Hotel bis zu seiner Abreise nicht und so war Rats komplettes Impriovisations- und Organisationsgeschick nötig, um den Berlin-Marathon dennoch in Angriff nehmen zu können. Von diesen Unanehmlichkeiten und dem mässigen Wetter liess er sich aber nicht beeindrucken, finishte ebenfalls und stellte in Berlin sogar eine neue PB auf.

Schon bei früheren Einsätzen von Chrigel wagten zahlreiche Spezialisten eine Prognose der Zeit, die ckr für seinen Marathon benötigen würde. Darin war bisher meist der Rheintaler Laufguru Alex Thür am erfolgreichsten. Auch dieses mal lag er mit seiner Prognose von 2:18:37 nicht weit daneben. Allerdings muss er sich dieses mal von Markus Hagmann, einem anderen Urgestein und x-fachen Schweizermeister im Steeple-Lauf geschlagen geben, der 2:17:12 h vorausgesagt hatte. Auch Rats hat sich in Berlin nicht nur als zäher Marathoni, sondern auch als Prophet für Chrigels Endzeit profiliert, wie das letzte Bild in nachfolgender Galerie zeigt (etwas Interpretationsspielraum ist vorhanden). Gespannt erwarten wir den Kampf der Orakel anlässlich Chrigels nächstem Einsatz.

Chrigel, noch einmal herzliche Gratulation zum famosen Lauf in Berlin 2017, der schon mindestens die halbe Miete für die EM 2018 in Berlin war.

 

 

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Ein Kommentar zu “Berlin – immer wieder eine Reise wert

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